Weinbau am Staufberg

Geschichte Boden und Klima

Rebsorten

Bewirtschaftung

 

Geschichte

Am 8. Oktober 1688 genehmigte Bern ein Gesuch Landvogt Christoph Steigers vom 24. September 1688, dem die hier abgebildete Staufbergskizze zugrundelag. Demnach wünschten "Ettliche der Gemeind Stauffen", die am Südhang des Staufberg ungefähr zwei Jucharten Land besassen (auf der Skizze als grosse Lücke zwischen den bereits bebauten Rebäckern mit einer Linie eingefasst), dessen "Verwandlung in Räben", da es "weder zu Holz noch Feld, weder zu Gras noch Weid" bequem sei.


Skizze von 1688

Skizze von 1688
 
1791 wurden in Staufen 39 Saum (5850 Liter) Wein, der sich damals von den Weinen der Umgebung qualitativ hervorhob, produziert. In vielen Eigengewächsschenken wurde der Rebensaft ausgeschenkt, so auch in der Wirtschaft "zum Feld", das heutige "Wernli-Kari Haus". Um die letzte Jahrhundertwende suchten Mehltau und vor allem die Reblaus die meisten Weinkulturen heim und setzten vielerorts dem Rebbau ein Ende. Am Staufberg wurden aber vor allem aus wirtschaftlichen Gründen die Reben gerodet. Die HERO zahlte nämlich für Johannisbeeren und Quitten wesentlich mehr, als aus dem Erlös vom Weinbau möglich war. 1910 oder 1911 wurde in Staufen die letzte Weinlese durchgeführt. Erst seit 1990 wächst auf einigen privaten Grundstücken wieder roter und weisser Staufberger.
 

Eine Orientierungsversammlung vom 13. Juni 1999 zeigte, dass das Interesse gross war eine Vereinigung zu gründen, mit dem Ziel einen gemeinsamen Rebberg zu schaffen. Dieser sollte im Einklang mit der Natur bewirtschaftet werden, indem die Nutzungsinteressen des Weinbaus mit denen des Naturschutzes verbunden werden.

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Boden und Klima

Standort der Rebfläche sind die Parzellen 648 und 677 am Südosthang des Staufberges mit einer Gesamtfläche von 23,43 Aren. Die Hangneigung  des Grundstückes beträgt zwischen 50% und 65% und erstreckt sich von 450 bis 490 m über Meer. Der Boden besteht vorwiegend aus Sandstein. Die ideale Hangneigung gegen Südosten ist von Westen und Norden her vor extremen Winden geschützt und bietet eine optimale Sonneneinstrahlung für eine gute Reifung der Trauben.

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Rebsorten

Mögliche Traubensorten sind die roten Regent, Léon Millot, Maréchal Foch und die weissen Seyval blanc und Bianca. Dies sind alles interspezifische Sorten oder Hybriden: Kreuzungen zwischen klassischen europäischen Vitis-vinifera-Sorten und ursprünglich wilden amerikanischen Vitis-labrusca-Arten. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre Resistenz gegen Pilzkrankheiten aus und müssen nur wenig, in Problemjahren etwas mehr gespritzt werden.
 
Im April 2000 wurden auf einer Fläche von 4 Aren Regent-Rebstöcke gepflanzt. Der Regent ist eine Neuzüchtung der Bundesforschungsanstalt Geilweilerhof (D), hervorgegangen aus der Kreuzung Diana (selbst eine Züchtung von Sylvaner x Müller-Thurgau) und der Chambourcin, einer französischen Sorte. Die lockeren Trauben werden gerne von Wespen heimgesucht. Magnesiummangel-Symptome, die sich über die halbe Laubwandhöhe ausdehnen können, verschwinden etwa nach dem 5. Standjahr. Beim Falschen Mehltau kann beim Regent lediglich von einer Teilresistenz gesprochen werden. Es ist ratsam, ein bis drei Fungizidbehandlungen vorzunehmen. Vor allem ist aber den mehltaumindernden Pflegemassnahmen volle Aufmerksamkeit zu schenken. Die Resistenz gegen den echten Mehltau ist in den meisten Fällen genügend, und auch die Botrytisresistenz der Trauben ist hoch. Der Regent ist in der Regel frühreif (Mitte bis Ende September) und von mittelstarkem bis starkem Wuchs. Je nach Kelterungsart ist der Wein rot bis tiefrot mit Violettnote, zeigt sich im Gaumen kräftig mit einem samtigen Gerbstoff (der bei längerer Maischestandzeit noch betont wird) und ist auch für den Barrique-Ausbau geeignet.

 
Regent Léon Millot Maréchal Foch

Versuchsweise wurden auch noch einige Rebstöcke der Sorten Maréchal Foch und Léon Millot gepflanzt. Der Léon Millot ist eine frühreife Sorte mit eher starkem Wuchs und mittelgrossen bis kleinen, dichten Trauben mit sehr kleinen Beeren. Der Wein wirkt samtig elegant bis kräftig mit weichem Gerbstoff. Bei hohem Reifegrad durchgegoren, scheint er die besten Resultate zu bringen. Er entwickelt dann eine ausgesprochen gute Struktur mit einer etwas rauchigen Note.

Die sehr wuchsstarke Sorte Maréchal Foch reift früh bis mittelfrüh und hat mittelgrosse Trauben mit kleinen Beeren. Je nach Reifegrad und Art der Vinifikation entstehen Weine mit dem Charakter eines kräftigen Pinot Noir oder eines südländischen Weines und entwickelt zuweilen eine etwas grasige Note. Er ist geeignet für Assemblagen, etwa mit Léon Millot und auch der Ausbau in Barriques ist möglich.
 

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Bewirtschaftung

Gemäss gültiger Nutzungsordnung Kulturland der Gemeinde Staufen ist der Staufberg-Südhang einer Schutzzone zugeteilt und im kantonalen Richtplan als Naturschutzgebiet von kantonalem Interesse aufgenommen (siehe blaue Fläche in der Karte rechts). Die Bewirtschaftung erfolgt daher nach den Kriterien der integrierten Produktion und entspricht den biologischen Grundsätzen. Ziel ist die Erhaltung des Ökosystem am Staufberg-Südhang unter minimalem Einsatz von Hilfstoffen.

Rechts: Rebkataster von Staufen
Auszug aus dem Aargauischen Geographischen Informationssystem AGIS

 

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